In Sachen Stadt Augsburg gegen Michael Fleischmann hat OB Kurt Gribl jetzt die Kuh vom Eis gezogen und wird dem verhinderten augsburgr-Blogger die Anwaltskosten in Höhe von 1890 EUR erstatten.
Ob aber die Stadt tatsächlich Namensrechte am Begriff “Augsburg” besitzt oder ob ein Freihaltebedürfnis besteht, ist damit nicht geklärt. Der OB hält in seiner Stellungnahme jedenfalls daran fest:
»Die Juristen der Stadt haben aus fachlicher Sicht korrekt gehandelt, denn es ist als Stadt Augsburg unsere Pflicht, unsere Namensrechte zu schützen.«
Da ist also noch einiges an Arbeit zu tun.
Wikipedia laufen die Autoren weg, wie man jetzt an vielen Stellen lesen kann. Knapp 50.000 sollen es allein im ersten Quartal 2009 gewesen sein.
Wirklich neu ist das nicht, denn das tun sie schon lange. Neu ist nur dass jetzt auch die der sog. “freien Enzyklopädie” eher kritiklos gegenüberstehende Öffentlichkeit Notiz davon nimmt. Einer der Gründe ist wohl die derzeit ebenfalls durch die Medien gehende Wikipedia-Relevanzdebatte.
Die Krise der Wikipedia, die von den meisten Insidern nicht mal als solche wahrgenommen wird (‘49.000 “Trolle” und “Vandalen” weniger kann nur gut sein. Wikipedia gehört uns.’) auf einen Richtungsstreit zwischen Inklusionisten und Exklusionisten zu reduzieren, greift IMO viel zu kurz. Den Kern des Problems hat Kris Köhntopp treffend als Communitygift auf den Punkt gebracht.
Heute gibt es in der Welt online unter dem Ttel Dilettanten an der Löschtaste ein Interview mit Felix von Leitner (Fefe), der die öffentliche Relevanzdiskussion mit ins Rollen gebracht hat. Der entscheidende Satz ist IMO der hier:
»Gelöst werden muss auf jeden Fall das Problem, dass sich Dilettanten von Experten nichts sagen lassen, weil sie es als Angriff auf ihr Territorium deuten, wenn man sie überzeugen will.«
Es hat sich mittlerweile in der Wikipedia-Community eine mächtige, wenn auch nicht immer fest umrissene Gruppe gebildet, die Besitz- und Hausrechte für sich in Anspruch nimmt und mit Zähnen und Klauen gegen jeden Angriff von innen und außen verteidigt. Als Angriff wird dabei leider oft auch völlig korrekte und sachliche Mitarbeit verstanden, wie ich selber schon allzu oft erleben musste. Und damit oute ich mich hier mal als “geschwundener Artikelschreiber”.
»In the end it will not be an encyclopedia, it will be a wiki.« (Ward Cunningham)
Wegen der Verwendung der Domain augsburgr.de hat die Stadt Schilda Augsburg jetzt einen Blogger abgemahnt.
Der 25-jährige Michael Fleischmann hatte die Domain registriert und dann die Stadtverwaltung um Erlaubnis gefragt, die Domain zu nutzen. Statt einer Antwort erhielt er eine Abmahnung mit einer Kostennote über 1890 Euro. Die Begründung: Fleischmann habe eine “Namensanmaßung” begangen und verwende die Domain widerrechtlich. Und darauf ist die Stadt Augsburg auch noch stolz und fühlt sich im Recht.
Mal abgesehen von der rüden Art der Stadtverwaltung Augsburg (der OB heißt Kurt Gribl), ihre Bürger abzuwatschen, stößt mir an der Sache noch etwas ganz anderes sauer auf. Nämlich der Anspruch der Stadtverwaltung, Namensrechte am Begriff “Augsburg” zu besitzen. Ich vermute, dass das mit deutschem Recht kompatibel ist und von den meisten anderen Kommunen auch so gehandhabt wird. Trotzdem ist es eine Anmaßung. Die Stadt Augsburg gehört in erster Linie den Bürgern.
Erinnert sich noch jemand, wie die Website der Stadt Münster vor ein paar Jahren aussah? Dort gab es eine Abteilung für die Stadtverwaltung und eine Abteilung für die Bürger, die dort – unter der gemeinsamen Domain muenster.de – ihre eigene Website einstellen konnten. Ganz offensichtlich hatte man in Münster ein anderes, positiveres Verständnis vom Miteinander der Bürger und der Verwaltung. Dort hat “die Stadt” ihren Bürgern den gemeinsamen Namen nicht vorenthalten, sondern zur Verfügung gestellt. Vorbildlich!
BTW: augsburg.de ist die einzige mir bekannte Website einer Kommune, die Google-Adsense einblendet.
Gestern flatterte mir per Schneckenpost (Briefpost) ein Werbeschreiben einer Druckerei aus Ibbenbüren ins Haus, die mir 500 Visitenkarten und 300 Adressaufkleber schenken will, wenn ich irgendwo im Web über sie und ihre Produkte berichte. Gefordert ist ein »unabhängiger und freier Artikel auf meiner Internetseite« Was genau sie sich darunter vorstellen, ist nicht näher definiert. Selbst ein Backlink ist, wie ich beim zweiten Lesen sehe, nicht zwingend gefordert.
Um zu meinem Preisgeld zu kommen, muss ich einen 25-stelligen (!) Gutscheincode im Bestellformular eintippen und bekomme auf meine Bestellung 35 Euro gutgeschrieben. Mal davon abgesehen, dass ich hier keine PDF-Druckvorlage mit 3 mm Beschnittrand rumliegen habe, schwanke ich immer noch, ob ich die Offerte annehmen soll oder nicht.
Hat noch jemand so ein Schreiben bekommen? Was haltet ihr davon?
Update: Ich habe mal nach der Druckerei gegooglet und gesehen, dass die Freikartensache auch schon mal als Trigami-Aktion lief. Es haben wohl auch einige Blogger dabei mitgemacht.
Auf einer Miniwebsite (Retail-Weihnachten 2009) gibt der Werberiese Google (ja, der ist verwandt mit dem Suchmaschinenriesen gleichen Namens
) gute Tipps für das Weihnachtsgeschäft im Internet. Da Google Milliarden Dollar mit Werbeeinnahmen erzielt, kann man wohl davon ausgehen, dass die auch wissen wovon sie reden und sich vielleicht den einen oder anderen Tipp für die eigene Website oder das eigene Blog abholen. Es gibt einige sehr interessante PDFs mit statistischen Eckdaten zum Runterladen.
Und das sind Googles fünf Kerntipps:
1. Die heiße Phase des Weihnachtsgeschäfts beginnt lt. Google bereits vierzehn Wochen vor Weihnachten. Es empfiehlt sich also, schon im September die Präsenz der eigenen Website im Internet bestmöglich zu steigern. Die Präsenzläden machen es ja vor. Kaum ist man aus dem Sommerurlaub zurückgekehrt, liegen Dominosteine, Printen und Christstollen in den Läden und werden auch gekauft.
[click to continue…]