Wikipedia-Artikel jetzt auch als Buch

11. Februar 2009 · 9 comments

Wikipedia im Buch (Foto: He!ko, cc-by-sa-3.0)

Wikipedia im Buch (Foto: He!ko, cc-by-sa-3.0)

Wikipedia-Artikel als Book-on-Demand – Contentklau inklusive

Seit kurzem müssen für Wikipedia nun auch Bäume sterben. In Zusammenarbeit mit einem kommerziellen Anbieter bietet die Wikimedia-Foundation an, sich aus einzelnen Artikeln PDFs zusammenzustellen, die man sich gegen Geld dann auch als gedrucktes Buch zusenden lassen kann. Neu ist die Idee nicht. Mit Wikipress hatte der kommerzielle Verlag, der auch die Digitale Bibliothek herausgibt, vor Jahren schon mal einen ähnlichen Versuch gestartet, der aber mangels Nachfrage wieder eingestellt wurde.

Sind die Inhalte der Wikipedia in der Zwischenzeit so viel besser geworden, dass es sich lohnt, dafür echtes Geld auf den Tisch zu blättern? Wohl kaum, wenn man sich so umsieht. Probehalber habe ich mir mal ein PDF und ein Buch mit Artikeln zusammengestellt, die ich zu über 99% selbst geschrieben habe. Mein Accountname müsste dort also bei den Verfassern (sie nennen es „Bearbeiter“) genannt werden? Wird er aber nicht. Klarer Lizenzverstoß, was die schmerzfreien Wikifanten natürlich nicht stört. Kaum einer von denen hat die GFDL-Lizenz überhaupt verstanden, geschweige denn jemals gelesen. Dass jetzt aber auch ein kommerzielles Unternehmen mit Lizenzverstößen Geld verdient, hat dann doch schon eine andere Qualität.

Kann man sich dagegen wehren? Kaum. Es sei denn, man nimmt die gleiche negative Aufmerksamkeit in Kauf, die in den letzten Tagen der Bahn und C&A zuteil wurde. Über Wikipedia darf man in diesem Land öffentlich nichts Kritisches sagen. Wikipedia ist das personifizierte Gute, denn Wikipedia rettet Leben. Was in Kleinbloggersdorf »Contentklau« genannt wird, heißt bei Wikipedia »Freies Wissen«.

Da fällt mir ein, ich wollte schon immer mal einen Beitrag schreiben mit dem Titel »Was ich an Wikipedia nicht mag«, habe das aber immer aufgeschoben. Würde sowieso keinen interessieren. Aber vielleicht mach ich es trotzdem mal. Wenn ich mir Bodyguards leisten kann…

Ach ja, Pediapress heißen die Contentdiebe, die mit meiner Arbeit Geld verdienen, ohne sich um meine Autorenrechte zu scheren. Einen Link gibt es für die nicht. Nicht mal mit nofollow.

{ 9 comments }

1 Sergej Müller 12. Februar 2009 um 10:05 Uhr

Ach ja, Contentdiebe. es gibt aber auch wpSEO-Plugin-Ideen-Diebe. Da ist man auch machtlos. Und ich dachte immer, in Deutschland lässt sich jede Art von Diebstahl unterbinden.

2 Oliver 21. Februar 2009 um 08:12 Uhr

Hi,
ein breites Kreuz hab ich nicht,aber ein Dickes Fell.
Vielleicht reicht das ja als Bodyguard?
In Wikipedia schreibt jeder so ziemlich irgendwas und meist noch ziemlich falsch. Bei einigen Sachen sind die Fakten total verdreht und viele der sogenannten Schreiber wollen eigendlich nur ihren Link unter die Artikel bekommen. Da wird korrigiert und gelöscht was das Zeug hält. Ich nutze wiki glücklicherweise nicht so häuffig. Schreib Deinen Artikel ruhig.
Grüße Oliver

3 nixloshier 3. März 2009 um 20:24 Uhr

1. zur sache an sich:

es müsste im normalfall jeder einzelne autor genannt werden und exakt so ist es auch gedacht. wenn du nun da einen bug gefunden haben solltest, dann melde das bitte _umgehend_ unter http://de.wikipedia.org/wiki/Hilfe:Buchfunktion/Feedback_zur_Buchfunktion unter angabe deines accounts und des betreffenden artikels.

wenn das problem nicht sofort gelöst werden kann, muss die funktion definitiv erst einmal wieder offline genommen werden.

2. deine sonstigen meinungsäußerungen zu wikipedia sind ziemlich daneben.

das geblubber über „schmerzfreie wikifanten“, die das problem „nicht stört“ ist einfach unhaltbar; ich finde keinen einzigen hinweis auf solch fehlerhaften PDF-export auf wikipedia.

dass „contentklau“ in wikipedia als „freies wissen“ gilt, ist ebenso käse. schau dich dort erst einmal um, wie mit aufgedeckten URVs umgegangen wird – inhalte werden direkt gelöscht, accounts bei wiederholten verstößen geschlossen.

übrigens: konstruktive kritik ist bei wikipedia entgegen deiner verlautbarungen jederzeit gern gesehen. wenn es aber vom niveau her wie oben aussieht, dann muss man halt damit rechnen, auch auseinandergepflückt zu werden.

4 fdb 3. März 2009 um 20:52 Uhr

Getroffener Hund bellt, wie mir scheint. Das Problem der nicht genannten Artikelautoren ist in der Wikipedia seit langem bekannt. Das Buch-Feature deshalb aber abzuschalten kommt dort niemandem in den Sinn.

Wie mit URVs umgegangen wird ist mir durchaus bekannt. Einzelne User werden dort tatsächlich ziemlich schnell abgeschossen, wenn sie dauerhaft per Copy & Paste fremde Inhalte einstellen. Bei Textplagiaten sieht die Sache schon anders aus, die gehören zum normalen Prozedere dort. Bei der Buch (und PDF-)-Sache hier ist der Verantwortliche aber nicht ein einzelner User, sondern die Foundation selbst bzw. ihr Vertragspartner PediaPress. Da traut sich niemand ran. Es besteht nicht einmal der Wille dazu.

Ich hatte vor einigen Wochen, bevor ich diesen Beitrag hier schrieb, das Buch-PDF-Feature ausführlich getestet. Als ehemaliger Wikipedia-Power-Contributor hatte ich ja genügend Auswahl an Artikeln, die ich nahezu alleine verfasst hatte. Ich habe so circa zehn bis zwanzig davon spaßeshalber zu einem Buch zusammengefasst und mir als PDF runtergeladen. In fast allen Fällen kam ich in der Liste der Autoren (sie werden dort „Bearbeiter“ genannt) nicht vor. Es ging auch anderen so, das Problem war bei Wikipedia schon bekannt. Ich habe die Diskussion dort verfolgt. Die Leute, die das Thema interessiert hat, waren an einer Hand abzuzählen. Sie konnten sich offenbar nicht durchsetzen.

Heute, nachdem ich den Artikel bei Spreeblick gelesen hatte, habe ich es noch einmal überprüft. Das Contentklau-Problem besteht weiter fort. Es hat sich nichts dran geändert. Mein Name steht noch immer nicht unter den Artikeln.

Faktum ist, da ist eine Firma, die Bücher mit von mir verfassten Texten verkauft, ohne meinen Namen zu nennen, wie es die GFDL-Lizenz erfordert. Und mit dieser Firma arbeitet die Wikimedia Foundation zusammen. Sowas nenne ich Contentklau.

5 nixloshier 3. März 2009 um 21:00 Uhr

ahja, natürlich. „getroffener hund…“

und nun zur sache: „Das Problem der nicht genannten Artikelautoren ist in der Wikipedia seit langem bekannt.“ – nachweis bzw. links bitte. ich kann nichts finden und ich kann es mir nicht vorstellen, dass dort lediglich „eine handvoll benutzer“ ein problem damit hatte, sich aber nicht „durchsetzen“ konnte.

alles weitere brauche ich aktuell nicht zu kommentieren, sondern bitte um links, wie gesagt.

dass das überhaupt nicht geht, habe ich, glaube ich, schon oben deutlich genug gemacht. derartig offensichtliche lizenzverletzungen aufgrund eines bugs sind nicht tolerierbar.

6 fdb 3. März 2009 um 21:30 Uhr

Du glaubst doch wohl nicht, dass ich jetzt eure Hausaufgaben mache und die Wikipedia-Versionsgeschichten der letzten Wochen durchpflüge. Die Tatsache, dass das Problem seit Wochen besteht und das Feature nicht deaktiviert wurde, stützt meine Behauptung wohl hinreichend.

Die Liste der Bearbeiter. Mein Name fehlt.

Die Liste der Bearbeiter. Mein Name fehlt.

7 nixloshier 3. März 2009 um 21:37 Uhr

„eure hausaufgaben“? öhm, wie bitte?

ansonsten: aha. kein link oder nachweis dazu also. einfach nur die behauptung „problem ist bekannt“ kombiniert mit der tatsache, dass wohl wirklich ein von dir gefundener bug besteht.

inwiefern das deine „Behauptung wohl hinreichend“ stützt, mag der leser selbst für sich entscheiden. ich bin raus.

8 fdb 3. März 2009 um 21:45 Uhr

Trotzdem Danke fürs Mitdenken und Mitdiskutieren.

Nachtrag: Und danke auch, dass du das Problem jetzt nochmal zur Sprache gebracht hast.

9 fdb 3. März 2009 um 22:34 Uhr

Ich habe es jetzt nochmal getestet. Der Fehler tritt bei mehreren Benutzernamen auf. Und bei diesem Artikel wird kurzerhand sogar ganz auf die Autorenangabe verzichtet:

Kein Autorenname

Kein Autorenname

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