Also habe ich mich auch dran gesetzt und mein eigenes Blog eröffnet. Mit eigener Domain – die meisten Blogs liefen damals noch auf Userland, Editthispage, Manilasites oder Diaryland. Software hatte ich erstmal keine. Alles war reine HTML-Handarbeit. Statische Seiten, denn ›dynamisch‹ hieß damals noch Perl und scripten konnte ich nicht. Dynamisch hieß damals auch noch, möglichst viele GET-Variablen in der URL zur Schau zu tragen, damit auch jeder sehen konnte, dass man dynamisch war.
»Es ist so: Die ersten Weblogs sind von Leuten gemacht worden, die sich selber die technischen Tools zusammengebastelt haben. Es ist halt wirklich erst seit einem Jahr so, dass es Leute gibt, die sozusagen eine ‘Infrastruktur für Alle’ anbieten. Es stimmt. Das Weblog für die Massen ist erst seitdem möglich.« (Hannes Wallnöfer, 2000 oder so)
Der dynamische Durchbruch kam dann für mich und viele andere selbsthostende Blogger mit Greymatter von Noah Grey. Das war zwar auch ein Perlscript, aber ich habe es ans Laufen bekommen und danach noch oft eingesetzt, z.B. als News-Script auf ansonsten statischen Webseiten. Von WordPress wusste damals noch keiner was. Weit verbreitet neben Greymatter waren noch Dave Winers Manila und NewsPro, ebenfalls ein Perlscript. Elf Links umfasste meine Blogger-Software-Sammlung.
Das Booklog, eigentlich als Lesetagebuch gedacht, war sehr einfach gestrickt. Es gab keine langen Buchbesprechungen, das konnte der Roland viel besser. Stattdessen kurze Pointer auf Websites, über die ich im Netz mehr oder weniger zufällig gestolpert war. Fünf bis zehn Stück davon machten einen Tageseintrag aus. Genauso hatte es ja Tim Berners-Lee mit seinem Ur-Weblog auch gemacht. Heute twittert man sowas.
Eine Sammlung von Kaffeelinks brachte mir eine Erwähnung des Schockwellenreiters ein, den es heute noch gibt. Andere Blogs, die ich damals regelmäßig gelesen habe, sind heute genauso dahin wie das Booklog: mood-indigo.net, das Blog von Rachel James, einer Amerikanerin in Haarlem mit tollen Fotos. Dangerous Meta, usr.bin.girl und Portrait of a Katie sind heute ebenso Netzgeschichte wie seit 2007 auch Der Zirbel mit seinen Nachrichten aus der Idylle.
Warum ich das Booklog dann schließlich wieder aufgegeben habe, kann ich heute nicht mehr genau sagen. Irgendwie hatte es damit zu tun, dass ich immer wieder das Gefühl hatte, dass andere viel besser schreiben konnten, was ich sagen wollte. Ich hatte einfach nicht die Fähigkeiten und den Mut, längere und größere Sachen zu schreiben. Dann kam irgendwann so um 2003 die Wikis auf und ich habe sehr viel Energie an Wikipedia vergeudet. Danach habe ich mich mehr mit der technischen Seite des Webpublishing beschäftigt und den Blogger-Faden irgendwo verloren. Aber jetzt habe ich ihn wieder gefunden und nun werden wir ja sehen, was draus wird.
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Auch wenn der Zeit Aufwand den man mal in Wikipedia investiert hat kein Geld bringt so finde ich die Zeit nicht vergeudet. Sei lieber stolz darauf in den Anföngen mit Dabei gewesen zu sein. In 20 Jahren sind wir Veteranen die am Anfang dabei waren.