Wikipedia rüstet auf. Und das Wissen geht bergab.

19. Januar 2009 · 9 comments

Sechs Millionen Dollar hat die Wikimedia Foundation bei ihrer vorweihnachtlichen Spendenkampagne eingefahren und jede Menge Serverspenden von Sun. Damit wurde die Speicherkapazität jetzt auf 48 Terabyte aufgerüstet. Damit soll dann auch die Begrenzung der Dateigröße bei Uploads (bisher 100 MB) fallen.

Diese Firmen, die der Möchtegern-Enzyklopädie die Dollars säckeweise in den Rachen werfen, tun das übrigens nicht nur aus Gutmenschlichkeit. Da stecken zum Teil handfeste wirtschaftliche Interessen dahinter. Von einem Bekannten, der bei einer renommierten internationalen Nachrichtenagentur arbeitet, habe ich z.B. erfahren, dass sein Arbeitgeber Mitarbeiter entlassen hat – weil man ja jetzt Wikipedia als Wissensressource hat. Soviel zum Thema »Wikipedia makes the world a better place«.

Dass damit dann das Wikipedia-Halbwissen seinen Weg in die Agenturmeldungen und in die Zeitungen findet, die die Wikifanten dann im Nachhinein wieder als Quellenangabe unter ihre Artikel setzen, ist nochmal ein anderes Thema. Über die Spirale, die da in Gang gesetzt wird, will man gar nicht nachdenken.

{ 9 comments }

1 Benni 19. Januar 2009 um 17:49 Uhr

Moin,
also die Aussage, dass Mitarbeiter zugunsten von Wikipedia als Quelle entlassen worden sind, halte ich aber für arg übertrieben.
Ich kann nicht das Gegenteil beweisen, aber ich kann mir das ehrlich gesagt nicht vorstellen.
Das Verlage Stellen einsparen und bereits eingespart haben ist keine Neuigkeit, aber die Aussage scheint mir wirklich .. sagen wir .. komisch zu sein!

2 fdb 19. Januar 2009 um 18:04 Uhr

Moin Benni, du kannst das ja für übertrieben halten, an der Tatsache ändert das aber nichts. Die Entlassungen sind Fakt. Nachrichtenagenturen haben/hatten Abteilungen, die die Abnehmer (Zeitungen, Rundfunkanstalten usw.) mit historischen Hintergrundinformationen versorgt haben, wenn irgendwo auf der Welt etwas passiert ist. Die z.B. alle Schiffsunglücke der letzten hundert Jahre in Timbuktu aus dem Archiv rausgesucht und zusammengestellt haben. Diese Mitarbeiter wurden entlassen. Die Nachrichtenverfasser müssen jetzt das Internet, namentlich Wikipedia als Quelle benutzen.

3 Benni 19. Januar 2009 um 19:02 Uhr

Hmm .. also auch wenn das Internet in alle Ecken des täglichen Lebens Einzug hält (nun gut, vielleicht nicht in alle) scheint es mir doch sehr krass, dass gerade die guten alten Archive (anders ausgedrückt Bibliotheken) an Bedeutung verlieren.
Dass dies im „normalen“ Leben der Fall ist, schien mir irgendwie nachvollziehbar, aber dass Verlage die entsprechenden Mitarbeiterstellen streichen, um profitabel zu bleiben .. daran hätte ich im Leben nicht gedacht.

Stimmt mich nachdenklich.

PS:
In meinen Augen kann da aber nicht wirklich Wikipedia etwas für, sondern es handelt sich da eher um Versäumnisse in den entsprechenden Führungsetagen der Unternehmen.

4 fdb 19. Januar 2009 um 19:53 Uhr

Für die Entlassungen kann man Wikipedia sicher nicht verantwortlich machen. Das ist der Wandel der Zeit. Die Weitergabe von Halbwissen oder Fehlern, die dann in der Presse verwurstet und daraus in Wikipedia wieder rückübernommen werden und sich dadurch gegenseitig rückversichern, das kann man der customer-driven encyclopedia schon vorwerfen.

5 Benni 19. Januar 2009 um 20:50 Uhr

Ich persönlich würde da aber eher die Personen/Verlage in die Pflicht nehmen, die Informationen aus der Wikipedia als Tatsachen übernehmen.
Wikipedia ist ein wahnsinnig guter Dienst, wenn es darum geht einen ersten Ein- oder Überblick zu erhalten, aber in meinen Augen geht nichts über Fachliteratur.
In meinen Studium wird zum Beispiel bei vielen Facharbeiten, Klausurvorbereitungen etc. (zurecht!) darauf hingewiesen, dass Wikipedia keine wissenschaftlich anerkannte Quelle ist.

6 fdb 19. Januar 2009 um 21:32 Uhr

An der Uni ist Wikidingens kein Thema. Im normalen Leben leider schon.

7 Benni 20. Januar 2009 um 02:49 Uhr

Verstehe deine Aussage ehrlich gesagt gerade nicht.

8 fdb 20. Januar 2009 um 08:53 Uhr

Was ich sagen will ist: An der Universität, d.h. in der wissenschaftlichen Welt, weiß man, wie Wikipedia einzuordnen ist. Otto Normalverbraucher aber nimmt sie als Enzyklopädie ernst.

9 wlk 15. April 2009 um 09:37 Uhr

Wikipedia entwickelt sich zu einer gefährlichen Organisation. Offen sind die schon lange nicht mehr und das Wissen was da verbreitet wird ist definitiv subjektiv von deren Administratoren verwaltet. Ich hab da schon schlimme Fehler gefunden.

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