Wie ich meine Adsense-Einnahmen mit Adscale verdoppelt habe – ein Erfahrungsbericht

12. Januar 2009 · 25 comments

Adscale

Adscale

Habt ihr Werbebanner oder Textanzeigen auf euren Blogs eingebunden? Habt ihr schon mal daran gedacht, sie alle oder teilweise über Adscale zu vermarkten? Dann interessiert euch vielleicht, warum mich Adscale nicht hundertprozentig begeistert hat.

Weitere Erfahrungsberichte gibt es hier, hier und hier. Interviews mit einem der Adscale-Gründer, Klaus von Dömming, gibt es hier, hier, hier und hier.

Was ist Adscale?

Adscale selbst bezeichnet sich in der Eigenwerbung als »führender Marktplatz für Onlinewerbung« in Deutschland, der Bannerwerbung und Textanzeigen zwischen Werbern und Publishern vermittelt. Nach eigenen Angaben liefert der u.a. durch Holtzbrinck finanziell unterstützte Dienstleister täglich 138 Millionen Impressions auf 2.164 Websites aus.

Der Versuchsaufbau

Was habe ich gemacht? Ich habe ein Konto bei Adscale angelegt und bin als Publisher akzeptiert worden. Dann habe ich eine Werbefläche auf einer Website ausgeguckt, auf der ich einen ganz normalen Standardbanner im Format 468×60 Pixel zum Tausendkontaktpreis einblenden wollte. Diese Werbefläche habe ich auf Adscale eingegeben, sie wurde von einigen Werbern gefunden, die dort ihre Banner sehen wollten. Ich habe die Angebote akzeptiert und seitdem laufen dort die Banner.

Als Listenpreis habe ich für den Anfang einfach mal testweise 5,50 Euro angegeben, wovon Adscale 30% bekommt. Ich erhalte also netto pro 1000 Einblendungen 3,85 Euro. Oder doch nicht? Aber dazu später.

Die Adscale-Kampagnenverwaltung

Die Adscale-Kampagnenverwaltung

Was gefällt mir gut bei Adscale?

1. Angebote auch für kleinere Websites und Blogs

Adscale ist einer der wenigen Marktplätze für Bannerwerbung, der nicht nur mit den Elefanten tanzt, sondern auch kleinere Websites und Blogs als Publisher akzeptiert. Noch. Noch, weil ich den Eindruck habe, dass sich der Dienst etwas zu sehr auf die Optimierung für die Werber konzentriert und die Publisher etwas zu sehr im Regen stehen lässt (wie Ebay, das sich zu sehr auf die Verkäufer konzentriert und dadurch jetzt sehr zu kämpfen hat).

2. Abrechnung pro Einblendung (Page Impression) möglich

Adscale bietet wie Google Textanzeigen per CPC (Pay per click), aber auch Banner zum Tausendkontaktpreis (TKP) an, d.h. man ist nicht auf Clicks oder Sales (wie bei Affiliate-Programmen) angewiesen, sondern bekommt Geld für die reine Bannereinblendung. Das ist ein ganz wesentlicher Vorteil, weil es für viele Blogs sehr schwierig ist, Klicks oder Verkäufe in nennenswerten Umfang zu generieren.

3. Man kann den Preis selbst bestimmen

Als Publisher gibt man bei Adscale einen Listenpreis an, der dem Werber angezeigt wird. (Ob man den auch realisieren kann, steht natürlich auf einem anderen Blatt.) Gleichzeitig kann man eine untere Schmerzgrenze festlegen, die nicht öffentlich gemacht wird. Das dient dazu, dass dem Publisher auch Kampagnen angeboten werden, die den Listenpreis unterschreiten. Man kann dann selbst entscheiden, ob man das Angebot annimmt oder nicht. Angebote, die die Schmerzgrenze unterschreiten, bekommt man gar nicht erst zu sehen.

4. Flexible Einbindung von Anzeigen anderer Anbieter möglich

Man kann Adscale als Anzeigenmanager nutzen. Das bedeutet, man kann dort angeben, was angezeigt wird, wenn aktuell keine Adscale-Banner zur Verfügung stehen. Wenn man hier z.B. seinen Google-Adsense-Code eingibt, werden statt einer leeren Fläche Google Ads im Blog angezeigt. Kommt dann ein Werber, der mehr zahlen will als die Google Ads einbringen würden, schaltet man einfach um.

Ein Ausschnitt aus den Adscale-Statistiken

Ein Ausschnitt aus den Adscale-Statistiken

Was gefällt mir überhaupt nicht bei Adscale?

1. Zu wenige Bannerformate

Man hat nur die Wahl zwischen einer geringen, festgelegten Zahl von Bannerformaten.

Warum eigentlich? Das bei Blogs immer beliebter werdende Bannerformat 125×125 Pixel ist nicht dabei. Ok, kommt vielleicht irgendwann noch.

2. Keine Mail-Benachrichtigungen

Man bekommt keine Benachrichtigung, wenn eine Banneranzeige auf Freischaltung wartet.

Ich habe alle meine Kampagnen, die mir in meinem Adscale-Account zur Freigabe angezeigt wurden, erst gefunden, nachdem ich mich in mein Konto eingeloggt hatte. Warum bekam ich keine E-Mail? Eine Zeitlang bekam ich täglich eine E-Mail, die mich über eine neue Kampagne infomiert hat. Habe ich mich aber eingeloggt, war keine da. Das wurde von Adscale mit einem Bug erklärt, der inzwischen beseitigt sei. Mir scheint aber, die Adscale-Leute haben sich noch nicht wirklich mit der technischen Seite ihres Bannerverwaltungssystems angefreundet.

3. Zu starre Festlegung auf eine einzige Kategorie

Man muss sich bei der Anmeldung bei Adscale mit seiner Website in eine von 22 Kategorien einordnen.

Mögliche Kategorien sind z. B. Beruf & Karriere, Finanzen & Versicherung, Freizeit & Hobbies oder auch Shopping. Mal abgesehen davon, dass für viele Nischenthemen keine der Kategorien passt, wäre es sicher gut, wenn man sich in mehrere Kategorien einsortieren könnte. Das würde die Sichtbarkeit für die Werber und damit die Wahrscheinlichkeit, eine Anzeige zu erhalten, deutlich erhöhen. Sehr viele Websites und Blogs sind thematisch so vielseitig, dass sie in mehrere Schubladen passen.

4. Lange Auszahlungsverzögerung

Man bekommt den Erlös erst nach zwei Monaten ausgezahlt, nachdem der Werber seine Rechnung bezahlt hat.

Dadurch tritt man u.U. drei Monate oder mehr in Vorleistung (hängt davon ab wie schnell Adscale bei den Werbern abrechnet und wie lang deren Zahlungsfrist ist). Das finde ich inakzeptabel. Zwar ist davon die Rede, dass die Auszahlungszeit auf 30 Tage reduziert werden soll, das ist aber noch Zukunftsmusik.

Interessant ist hier auch die Frage, was passiert, wenn der Werber nicht zahlt. Ich vermute, dass dann der Publisher ins Gras beißt. Adscale wird sich diesen Schuh nicht anziehen wollen. Auf der Website erfährt man jedenfalls nichts darüber.

5. Keine Hilfen für Anfänger

Einem unbeholfenen Werbeneuling wird viel zu wenig erklärt, eigentlich fast gar nichts.

Ich will das mal an einem Beispiel erklären. Als ich meine erste Werbekampagne akzeptiert hatte (ein Banner der Fluggesellschaft Condor), habe ich mich gewundert, warum ich die Banner zunächst auf meiner Website gesehen habe, nach kurzer Zeit aber nicht mehr. Stattdessen wurde der Adscale-Platzhalterbanner eingeblendet. Ich habe mich also wieder bei Adscale eingeloggt, weil ich dachte, ich hätte was falsch gemacht, aber dort keine weiteren Erklärungen gefunden. Erst Tage später bin ich an anderer Stelle auf die Erklärung gestoßen. Condor hatte ein Frequency Capping aktiviert. Das bedeutet, ein Besucher bekommt eine Anzeige innerhalb einer gewissen Frist (z.B. zwölf Stunden) nur zwei- oder dreimal zu sehen. Wenn er nach der dritten Einblendung nicht draufgeklickt hat, geht der Werber davon aus, dass der Besucher kein Interesse hat. Es ist natürlich leicht einzusehen, dass er dann auch keine weiteren sinnlosen Einblendungen mehr schalten möchte.

Die Grundlagen sollten einem im Online-Werbemarkt unerfahrenen Publisher vorher erklärt werden. Der fühlt sich sonst nämlich mit seiner Unsicherheit allein gelassen und verschwindet eventuell wieder.

6. Unklare Statistiken

Wieviel Geld bekommt man denn nun? Ein weiterer Punkt, bei dem es Adscale an jeglicher Erklärung fehlen lässt.

Ein Werber möchte auf meiner Website ein Banner schalten. Er möchte 15,00 Euro pro tausend Einblendungen zahlen. Es versteht sich, dass ich die Anzeige gerne angenommen habe. Das Banner wird auch eingeblendet. Schaut man aber in die Statistiken im Adminbereich, wird dort pro 1000 Einblenungen nur der schon genannte Listenpreis von 3,85 Euro angezeigt. Entsprechend niedrig ist auch der Erlös.

Woran liegt das? Wird vielleicht maximal immer nur der vom Publisher angegebene Listenpreis gezahlt, egal was der Werber geboten hat? Ist es vielleicht nur eine Fehlanzeige und die Überweisung fällt höher aus? Ich weiß es nicht. Nachfragen beim Support blieben unbeantwortet. Wenn man nicht die drei zeitgleich eingehenden Abwesenheitsnotizen dreier verschiedener Adscale-Mitarbeiter als Antwort ansehen will…

7. Keine personalisierte Landing Page

Der letzte Punkt, die fehlende Landing Page. Wenn man bei Adscale aktuell keine Werbebanner freigeschaltet hat, kann man wählen, dass stattdessen der Platzhalter-Banner eingeblendet wird. Auf dem steht »Ihre Werbung in wenigen Minuten hier« (oder so ähnlich). Wenn da ein potentieller Werber draufklickt, der sein Banner genau dort sehen will, landet er aber nicht auf einer maßgeschneiderten Landing Page des Publishers, wo er seine Anzeige zielgenau einrichten kann, sondern auf einer allgemeinen Seite von Adscale, wo er ›seinen‹ Publisher erst mal suchen muss. Bis er sich zu dem durchgeklickt hat, hat er schon längst entnervt aufgegeben. Der Werbekunde ist verloren. Hier wird eine Menge Potential verschenkt.

Fazit

Adscale ist ein vielversprechender Dienst, der gerade auch kleineren Webseitenbetreibern Vorteile bietet, sollte aber an den genannten Punkten IMO dringend und umfangreich nachbessern (falls die nicht schon so satt sind, dass es ihnen egal ist). Fehlende Anleitungen und mangelhafte Kommunikation führen zu Verunsicherung bei Werbern und Publishern, ein Showstopper, der schmerzliche, weil unnötige, Einnahmeverluste bei allen Beteiligten zur Folge hat.

Für Publisher ist Adscale als Alternative, oder besser noch als Ergänzung zu Adsense, trotzdem eine Empfehlung. Wer auf seiner Website zwei Werbeplätze für Google eingebaut hat, werfe einen davon raus und vergebe ihn an Adscale. Ich habe auf diese Weise meine Einnahmen verdoppelt. Zumindest theoretisch, denn noch habe ich die Auszahlung wegen der überlangen Auszahlungsverzögerung ja nicht erhalten.

{ 1 trackback }

Adscale PPC-Ads bringens nicht
31. Oktober 2009 um 14:00

{ 24 comments }

Comments on this entry are closed.

Previous post:

Next post: